Die Gattung Tulipa

Die kleinen farbenfrohen Wildtulpen begeistern mich schon seit meiner Kindheit. Geprägt durch die Vorliebe meiner Mutter, sie unter Büschen und Bäumen verwildern zu lassen, gilt ihnen auch heute noch mein Hauptaugenmerk. Es handelt sich im Folgenden um eine Beschreibung der von uns kultivierten botanischen Tulpen, Wildarten und deren Sorten. Kultivare der verschiedenen Klassen wie zum Beispiel Doppelte, Gefüllte, Gefranste, Papageientulpen oder historische Tulpen finden Sie bei uns nicht im Sortiment.

Tulpenzwiebeln

Eine kleine Auswahl an unterschiedlichen Wildtulpenzwiebeln in mannigfacher Ausbildung der Zwiebelgrößen, – formen und Farben der Zwiebelhäute. In der oberen Reihe sehen Sie von links nach rechts Tulipa humilis ‚ Persian Pearl ‚, Tulipa humilis ‚ Violacea Black Base ‚, die rötlichen Zwiebeln von Tulipa turkestanica, Tulipa batalinii, Tulipa heweri und ganz rechts die kleinen Zwiebeln der Tulipa cretica.

Tulipa altaica beginnt die untere Reihe am äußersten linken Rand, dann folgen Tulipa wilsoniana, Tulipa tarda, die mittelgroßen Zwiebeln von Tulipa stapfii neben den kleinen eleganten Zwiebeln von Tulipa orphanidea ‚ Flava ‚, und den Riesen Tulipa praecox. Die Zwiebeln am unteren rechten Rand gehören zu der einzigen einblättrigen Tulpe der Welt  Tulipa regelii.


Die Entwicklung der Wildtulpen

Jedes Frühjahr erwarten wir gespannt die Entwicklung unserer Wildtulpen. Bald nachdem der Kahlfrost vorüber ist und der Boden sich im zeitigen Frühjahr durch die Sonne erwärmt, beginnen die kleinen botanischen Tulpen mit dem Austrieb. Oft unscheinbar und leicht zu übersehen, hebt sich die Blattspitze aus dem Boden.


Hier die Spitzen von Tulipa clusiana ' Mountain's Pride ' Ende März

Hier die Spitzen von Tulipa clusiana ‚ Mountain’s Pride ‚ Ende März.


Tulipa berkariense entfaltet hingegen ovales Laub.

Tulipa berkariense entfaltet hingegen ovales Laub.


Tulipa lanata ist zum gleichen Zeitpunkt schon weiter entwickelt

Tulipa lanata ist zum gleichen Zeitpunkt schon weiter entwickelt.


Tulipa regelii in Blüte.

Tulipa regelii in Blüte.


Die Herkunft und das Verbreitungsgebiet

Das Verbreitungsgebiet der Tulpen erstreckt sich von Europa ( rund um das Mittelmeer ) über den Nahen Osten bis nach China. Die meisten Arten finden sich im innerasiatischen Raum. Sie wachsen überwiegend in Gegenden mit Steppencharakter oder an felsigen Abhängen mit einer eher dünnen Humusschicht. Die Winter sind streng; im Frühling nach der Schneeschmelze steht ausreichend Wasser für einen kurzen Zeitraum zur Verfügung, in dem die Tulpen den gesamten Wachstums- und Vermehrungszyklus durchlaufen müssen. Danach folgt ein langer heißer Sommer, der den Boden austrocknet und stark erwärmt.


Eine kleine Auswahl besonderer Arten

Tulipa subbiflora
Tulipa subbiflora
Tulipa subbiflora saka

Verschiedene Stadien der Tulipa subbiflora vom Knospenstadium über die Blüte zum Saatstand.


Tulipa biebersteiniana
Tulipa biebersteiniana

Tulipa biebersteiniana mit Sämlingen.

Tulipa humilis Eastern Star
Tulipa humilis Lilliput
Tulipa humilis Albocaerulea

Verschiedene Tulipa humilis Typen im Knospenstadium.


Tulipa berkariense
Tulipa berkariense

Tulipa berkariense in voller Blüte und im Knospenstadium.

Tulipa primulina
Tulipa primulina
Tulipa primulina

Tulipa primulina mit ihren zarten Farben.

Tulipa binutans
Tulipa binutans
Tulipa binutans

Die vielblütige und seltene Tulipa binutans.

Tulipa butkowii
Tulipa butkowii
Tulipa butkowii

Die wunderschöne Tulipa butkovii deren umwerfende Farbigkeit so schwer viederzugeben ist.


Tulipa kurdica
Tulipa kurdica

Tulipa praecox und die seltene Tulipa kurdica.


Tulipa orthopoda
Tulipa orthopoda

Tulipa orthopoda kurz vor dem Öffnen und während der Mittagszeit.


Tulipa acuminata
Tulipa acuminata

Und die bizarre Tulipa acuminata mit ihren leicht gedrehten Blütenblättern.


Die Vermehrung vieler dieser Arten ist sehr langwierig, da wir selten durch Sämlinge, in der Regel durch Nebenzwiebeln vermehren.

Die meisten der im Vorwort aufgeführten Arten und Sorten sind in nur ganz kleinen Stückzahlen von uns abzugeben, die Gründe konnten Sie gerade nachlesen. Sollte Ihre gewünschte Art derzeit ausverkauft sein, bitten wir Sie uns trotzdem eine Nachricht zu schicken. Wir reservieren Ihnen gerne eine Zwiebel für das kommende Jahr.


Der Aufbau der Zwiebel

Eine Zwiebel ist ein abgewandelter gestauchter selbstständiger Spross. Dieser Spross enthält alle benötigten Einzelteile wie zum Beispiel Blätter, Blütenstängel, Blütenblätter und auch schon die Samenanlagen wie Staubfäden und Narbe, die sie später zum Aufbau der ganzen Pflanze benötigen wird. Die Tulpenzwiebel besteht aus verschiedenen Schichten, die äußeren verhärten papier- bis lederartig in den unterschiedlichsten Farben. Manche Arten entwickeln auf den Innenseiten oder an den oberen Teilen einen unterschiedlich ausgeprägten Haarfilz, der als Unterscheidungsmerkmal dienen kann. Eine Besonderheit der Tulpenzwiebel ist der immer neue Ansatz von Neben- oder Brutzwiebeln durch den sich die Art erhält. Die Hauptzwiebel geht, ähnlich denen der Krokusse, im Laufe des Jahres bzw. des Frühjahres zugrunde.

Tulipa wilsoniana

Tulipa wilsoniana

 Tulipa schrenkii

Tulipa schrenkii

 Tulipa planifolia

Tulipa planifolia


Der Aufbau der Blüte

Die Blüten der Tulpe sind glocken- bis trichterförmig und laufen am Rand spitz zu. Seltener findet man Arten mit runden Blütenblättern. Im Laufe der Blütezeit rollen sich bei manchen Arten die Blütenblätter zurück. Tulipa biebersteiniana und Tulipa sylvestris gehören dazu, wie man gut auf den Fotos erkennen kann. Es gibt auch einige Arten mit nickenden Blumen die sich bei Sonne um die Mittagszeit aufrichten und den kleinen Stern ganz entfalten. Ein Schauspiel, das sich bei schönem Wetter einige Tage wiederholt. Ist die Blüte erfolgreich bestäubt worden entwickelt sich eine längliche, gelegentlich runde, Kapsel mit flachen, eng aneinander liegenden Samen, die nach ungefähr drei Monaten im Juni aufspringt. Charakteristisch ist die kurz vor Öffnen zur Seite geneigte Blütenknospe.


Saatstand von Tulipa clusiana mit aneinanderliegendem Samen

Saatstand von Tulipa clusiana mit aneinanderliegendem Samen.


 Die langsam verblassenden Farben auf den Blütenblättern und die sich entwickelnde Samenkapsel bei Tulipa linifolia sind ein wirklich zauberhaftes Schauspiel.

Die langsam verblassenden Farben auf den Blütenblättern und die sich entwickelnde Samenkapsel bei Tulipa linifolia sind ein wirklich zauberhaftes Schauspiel.

Tulipa clusiana
Tulipa humilis 'Persian Pearl'
Tulipa subbiflora

Verschiedene Samenstände von Tulipa clusiana, Tulipa humilis ‚ Persian Pearl ‚ und Tulipa subbiflora.


Pflanzzeit für ruhende Tulpenzwiebeln

Die beste Pflanzzeit für Tulpenzwiebeln sind der September und der Oktober. Natürlich ist es auch noch möglich später zu pflanzen, vorausgesetzt die ruhenden Zwiebeln sind in einem einwandfreien Zustand. Die Pflanztiefe für botanische Tulpen sollte mindestens 20 cm, gerne tiefer, betragen, damit die Zwiebel nicht in frostgefährdeten Bereichen sitzt. Bitte pflanzen Sie die Wildtulpen in Gruppen zu mindestens fünf Stück, denn einzeln stehende Tulpen wirken auch im Beet oder Steingarten etwas verloren.

Je früher Sie Ihre Tulpen pflanzen, desto besser ist es für die Qualität der Pflanzen im Frühjahr, da im Herbst die unterirdischen Pflanzenteile die in der Zwiebel angelegten oberirdischen Teile ernähren. Im Frühjahr, während der Vegetationsperiode, wird dieser Prozess umgekehrt und die Blätter sowie der Stängel versorgen die sich neu bildenden Zwiebeln mit Nährstoffen.


Tulipa humilis 'Persian Pearl'

Wildtulpen um Baumscheiben und unter laubabwerfenden Hecken

Da Wühlmäuse in milden Wintern sich gerne Tulpen als Nahrungsmittel suchen, bietet der Wurzelfilz von Bäumen und Hecken einen guten Schutz.

Pflanzen Sie die kleinen frühjahrsblühenden Tulpen unter laubabwerfende Bäume oder Hecken, bedenken Sie aber bitte, dass die Zwiebeln in Konkurrenz um Nahrung mit den Sträuchern oder Bäumen stehen. Eine jährliche Düngung während der Wachstumsphase ist unumgänglich.


Besonders farbintensive Form von Tulipa humilis

Besonders farbintensive Form von Tulipa humilis.


Die Ansprüche an Boden und Licht

Ich habe in den vorigen Kapiteln schon darauf hingewiesen, dass es sich bei den botanischen Tulpen um eine Gattung handelt, die an kargen, sonnigen Standorten in der Natur vorkommt. Dabei kann man davon ausgehen, dass die meisten Tulpenarten und -sorten immer einen sehr gut durchlässigen, also gut drainierten Boden bevorzugen. Wir arbeiten hier genauso wie bei den Thymianen und anderen Zwiebeln mit Flusssand und Kies in einer Körnung von 0 bis 8 mm, was sich über die Jahre bei unseren hohen Niederschlägen im Winter bestens bewährt hat.

Die allermeisten Arten und Sorten möchten einen vollsonnigen warmen Platz im Staudenbeet oder im Steingarten, bei Ausnahmen weisen wir Sie auf die Besonderheit bei den einzelnen Arten und Sorten hin.


Nach ungefähr sieben Jahren zeigen diese Tulpensämlinge ihre erste Blüte

Nach ungefähr sieben Jahren zeigen diese Tulpensämlinge ihre erste Blüte.


Wir werden oft gefragt, warum die Weinbergstulpe im eigenen Garten nicht zur Blüte kommt, die Bestände, die manch einer von Ihnen auch schon am Naturstandort gesehen hat, aber ganze Blütenteppiche ausbilden. Wir denken, der Grund liegt einfach an der Ruhephase im Sommer, haben wir trockene heiße Sommer, in denen die Zwiebeln ausreifen und gebacken werden, legen sie sehr gut neue Blüten für das nächste Jahr an. In feuchten Jahren sind es dafür mehr und kleinere Nebenzwiebeln, die im darauffolgenden Jahr noch nicht blühfähig sind.


Typisch für botanische Tulpen, die zur Seite geneigte Knospe kurz vor dem Aufblühen

Typisch für botanische Tulpen, die zur Seite geneigte Knospe kurz vor dem Aufblühen.


Die Düngung der Wildtulpen

Um die kleinen Tulpen über Jahre blüh- und vermehrungsfreudig zu halten , verwenden wir wie bei den anderen Gattungen ZwiebelVital während der Wachstumsperiode. Durch die jährliche Düngung kann die Zwiebel ihre Reserven wieder auffüllen.

Verzichten Sie darauf werden viele Arten und Sorten mit den Jahren blühfaul, machen nur noch Laub und fangen sogar an rückwärts zu wachsen. Im schlimmsten Fall vergehen sie sogar nach einigen Jahren, da sich die Brutzwiebeln nicht entwickeln.


Zauberhafte Momente im zeitigen Frühjahr

Zauberhafte Momente im zeitigen Frühjahr.


Weiterführende Literatur zum Thema Tulpen

Die Freiland- Schmuckstauden von Jelitto, Schacht, Simon

Erschienen bei Ulmer ISBN .3 – 8001 – 3265 – 6 Sprache Deutsch
Das Standardwerk im Bereich der Stauden liefert eine umfangreiche Aufstellung vieler Tulpenarten und Sorten mit Hinweisen zur Pflege.

Manual of Bulbs von John Bryan und Mark Griffiths

Erschienen bei Timber Press ISBN .0 – 88192 – 339 – 7 Sprache Englisch
Ohne Farbfotos gestaltet, dafür mit vielen hervorragenden Zeichnungen rund um die Welt der Blumenzwiebel. Sehr viel fachliche Information bezüglich der Botanik. Eigentlich nur für Sammler empfehlenswert. Es werden achtundsiebzig Wildarten vorgestellt.